Der nächste Chef

NWD Jonathon Heyward
Jonathon Heyward ist der nächste Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie. Zurzeit gibt er mit dem Orchester seine ersten Konzerte in der Region. Foto: Thomas Dohna

Jonathon Heyward gibt als Gastdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie in der Region seine ersten Konzerte

Herford. Intendant Andreas Kuntze möchte eigentlich nur die nächsten Konzerte der Nordwestdeutschen Philharmonie (NWD) besprechen. Dass neben ihm mit Jonathon Heyward der nächste Chefdirigent der NWD sitzt, möchte Kuntze am liebsten herunterspielen. Das Engagement Heywards sei seit langem geplant, die Konzerte seien nicht die Vorstellung des Neuen, das sei auch unfair dem noch amtierenden Chef Yves Abel gegenüber. Kuntze versucht alles. Die Journalisten im kleinen Besprechungsraum der NWD hören die Botschaft wohl, allein, sie sind an Heyward interessiert.

Kuntze lenkt das Gespräch auf die anstehenden Konzerte. Man spricht Englisch, Heyward ist US-Amerikaner. Sein Deutsch ist ausbaufähig, wie er später selbst herzlich lachend feststellt. Das sei auch kein Problem, sagt Orchestergeschäftsführer Christian Becker. Die Zeiten, in denen Musiker aufstanden und dem Dirigenten gegenüber betonten, im Orchester werde Deutsch gesprochen, seien lange vorbei. In der Probe vor dem Konzert zeigt sich das. Heyward spricht Englisch mit den Musikerinnen und Musikern, die Fragen nach und antworten auf Englisch. Es ist eine gute, dichte Arbeitsatmosphäre. Es wird Rossini, Mozart, Kodály und Beethoven geprobt. Im Pressegespräch sagt Heyward, diese vier Werke deckten das gesamte musikalischen Spektrum ab. Sie bereiteten einander vor, bezögen sich aufeinander, nicht direkt aber doch in einem tieferen Sinne.

Fagottist Bram van Sambeek ist von Heyward angetan. Van Sambeek hat den Solopart in Mozarts Fagottkonzert. Heyward übersetze das, was er als Solist meine, präzise ins Orchester. Er finde ihm, dem Solisten gegenüber, die richtige Balance zwischen Führen des Solisten und Aufnehmen seiner musikalischen Gedanken und deren Weiterleitung ins Orchester.

Da ist Kuntzes Widerstand längst zusammengebrochen. Es geht nicht mehr um die Konzerte, sondern um Heyward. 27 Jahre ist er, stammt aus einem kleinen Ort in South Carolina. Seine Familie hat wenig Berührung mit Musik. Wenn er etwas Handwerkliches gelernt hätte, läge das seiner Familie näher, sagt er. Teilen seiner Familie sei schwer zu vermitteln, was er tue. Cello studierte Heyward. Ein Kapellmeister-Studium hängte er an. Er gewann 2015 den internationalen Wettbewerb für junge Dirigenten in Besançon. In der Folge dirigiert er viele bekannte Orchester. Sir Mark Elder, Chef des Hallé-Orchesters in Manchester nennt ihn “a bright rising star of the conducting world”. Vor einiger Zeit hatten die NWD und er ein gemeinsames Engagement außerhalb Ostwestfalen-Lippes. Damals habe sich abgezeichnet, dass die Zeit Yves Abels beim Orchester zu Ende gehen würde, berichtet Kuntze. Musiker seien auf ihn zu gekommen und hätten Heyward als Nachfolger vorgeschlagen. Kuntze fuhr nach Ludwigsburg, wo Heyward gastierte und bot ihm die Chefposition an. „Ich war schockiert“, sagt Heyward. Er bereut es nicht, denn: „We are on the same page“, sagt er mit Blick auf das Orchester. Dan Townsend, einer der NWD-Schlagzeuger, lobt: „Es ist schön zu wissen, dass wir vorankommen, dass da jemand ist, der uns herausfordert.“ Das Vorankommen soll sich gleich im ersten Konzert Heywards als Chefdirigent zeigen. Gustav Mahlers sechste Sinfonie wird auf dem Programm stehen. Typisch für junge Dirigenten, meint Kuntze.

Erst einmal probt Heyward Beethovens vierte Sinfonie. Ist er nicht zufrieden, schüttelt er den Kopf. Hier ist ihm ein gezupfter Schlag nicht präzise, dort ein Pianissimo nicht leise genug.  Er dirigiert auswendig, dann nimmt er doch die Noten, um genauere Angaben machen zu können. „Das Orchester will etwas leisten“, sagt Heyward im Pressegespräch. Das sei nicht selbstverständlich. Das sei es, was er an der NWD besonders möge.  

Die Konzerte mit Jonathon Heyward:

_1. März, 17 Uhr, Bad Oeynhausen , Theater im Park
8. März, 11 Uhr, Amsterdam, Concertgebouw
9. März, 20 Uhr, Antwerpen, Koningin Elisabethzaal

Das Programm:

  • Gioacchino Rossini Die seidene Leiter: Ouvertüre
  • Wolfgang Amadeus Mozart Fagottkonzert B-Dur KV 191
  • Zoltán Kodály Tänze aus Galanta
  • Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60
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Autor*in: Thomas Dohna

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