Kultur in Zeiten des Virus

Bis auf weiteres geschlossen - Foto: Elke Engelhardt

Alles wird abgesagt. Die Theater und Clubs, Bibliotheken und Schulen, alles bleibt bis mindestens Ende April verriegelt. Landesgrenzen werden geschlossen, und das kulturelle Leben liegt dennoch nicht brach, sondern überwindet die Grenzen, indem es sich der vermeintlich keimfreien1 virtuellen Medien bedient. Die Leipziger Messe wanderte aus in Internet, Radio und Fernsehen, Konzerte finden im TV statt, und das Kinoerlebnis wird auf die Streamingdienste verlagert.

Nun könnte man sagen: wie schön, jetzt sind kulturelle Ereignisse grenzen- und kostenlos für alle zugänglich. Aber natürlich ist das nicht einmal die halbe Wahrheit und zu kurz gegriffen sowieso.

Weil das Erlebnis fehlt, die Unmittelbarkeit. Und weil die enormen Einnahmeausfälle im kulturellen Bereich viele Existenzen bedrohen. Wir alle, aber insbesondere die Politik, stehen vor der Aufgabe, in den Zeiten nach der viralen Krise dafür zu sorgen, dass keine wirtschaftliche und kulturelle Krise folgt. Das kann Angst machen. Aber es kann auch Hoffnung machen, weil in jeder Krise auch Möglichkeiten liegen. Denn der Ausnahmezustand, der durch das Virus hervorgerufen wurde, zeigt auch die Möglichkeiten, die eine Gesellschaft hat, Problemen schnell und effizient zu begegnen, Kräfte zu bündeln, sich abzustimmen und zu handeln. Sich zu besinnen, welche Berufsgruppen unschätzbar wichtige Arbeit für die Gesellschaft leisten, die Pflegekräfte zum Beispiel, aber auch die Kassiererin, der Polizist und die Ärztin, die ihre Praxis aufrecht erhält. Alle, die mit Besonnenheit der Autokorrektur des Lebens begegnen.

Vieles ist jetzt unsicher, aber es liegt nicht zuletzt an uns, ob das Kräfte freisetzt, von denen wir gar nicht wussten, dass sie existieren, oder ob wir uns von Panik und Angst in ein Chaos stoßen lassen. Ob wir neue Räume entdecken, in denen wir uns solidarisieren können, oder ob wir uns im Supermarkt um die letzten Klopapierrollen streiten.

Die Keime, die hier kursieren, sind eher gedanklicher Art. Ich denke an Rassismus und Antisemitismus, an die zunehmende Verrohung der Kommunikation und die Verbreitung von Hass.

Elke Engelhardt

Autor*in: Elke Engelhardt

Schreibt mit nicht nachlassender Begeisterung über Bücher. Ganz selten schreibt sie selbst eins.

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