Reggae leben

Mann im Sandkasten

Seit frühester Jugend fühlt sich Uwe „Banton“ Schäfer von der Musik Jamaikas inspiriert.

Uwe Schäfer hat keine karibischen Wurzeln. Zwar lebt eine Tante von ihm seit vielen Jahrzehnten auf Jamaika, aber an sich stammt seine Familie aus dem Lipper Land. Es ist eine innere, spirituelle Verwandtschaft, die ihn mit Afrika verbindet, und Reggae begeistert, beschäftigt, inspiriert den überzeugten Rastafari mit den typischen, fast bodenlangen Dreadlocks schon annähernd sein ganzes Leben lang. Wie bei vielen seiner Generation war Bob Marley der Auslöser. Als dieser 1980, ein Jahr vor seinem Tod, auf Europa-Tour war, besuchte der damals 15-jährige Uwe Schäfer gerade zum ersten Mal seine Tante auf Jamaika. Peter Tosh erlebte er später noch live auf der Bühne. Da hatte ihn Reggae längst so weit ergriffen, dass er selbst Sänger werden wollte. Die Gitarrenbegleitungen musste er sich allerdings weitgehend selbst beibringen, gehörten doch karibische Riddims und Vibes zu dieser Zeit nicht unbedingt zum Repertoire deutscher Musiklehrer.

Erste Auftritte

Seine ersten Auftritte hatte der in Lage geborene Schäfer in Steinhagen, wo es mit dem „Neons“ einen Club gab, in dem man authentischen jamaikanischen Reggae spielte – der britischen Armee und den in Bielefeld und Gütersloh stationierten karibischen Korps‘ sei Dank. Dort im „Neons“ bekam er auch den Beinamen „Banton“, der oft einem Rapper gegeben wird, der voller Texte steckt, was in der Reggaesprache heißt: einem „DJ“, der besonders gut „toasten“ kann. 1992 trat er für kurze Zeit Junior Mandingos Band „One Vibe“ bei und war wenig später auf dessen Initiative hin an der Gründung der Gruppe „Movements“ beteiligt, die in der deutschen Reggaeszene bald große Bekanntheit erlangen sollte. Die Band feierte mit wechselnder Besetzung zahlreiche Auftritte, und auch die gemeinsamen Alben „One Earth“ (1996), „Rastaman“ (1998) sowie „His Majesty’s Works“, das 2003 erschien, waren erfolgreich.

Auf Tour mit den Movements

Im selben Jahr tourte „Movements“ als Support der „Söhne Mannheims“ bei deren „Zion“-Tournee. Hinsichtlich ihrer Popularität war dies sicherlich ein vorläufiger Höhepunkt, allerdings hat man im Gespräch mit Uwe Banton kaum den Eindruck, dass es ihm allein darauf ankommt. Bei aller Zufriedenheit über den persönlichen Erfolg wirkt der Sänger und Songschreiber, der sich bei „Movements“ am Ende immer mehr zum Frontmann entwickelt hatte, seit 2004 als gut gebuchter Solokünstler arbeitet und darüber hinaus mit verschiedenen Gruppen wie der Berliner „Feueralarm-Band“ oder der „Sharp Axe Band“ spielt, eher wie ein spiritueller Botschafter.

Spiritueller Botschafter

Eine große Bedeutung in seinen Liedern hat die religiöse Philosophie der Rastafari, die schon für Bob Marley eine wesentliche Triebfeder gewesen war. In seinem Song „11th September“ zum Beispiel verweist er auf eine für Rastafaris bemerkenswerte Duplizität der Ereignisse. In Äthiopien nämlich, diesem alten afrikanischen Land, das nicht zuletzt seit der Kaiserkrönung Haile Selassies für Rastas eine wichtige Rolle spielt, beginnt an diesem Tag ein neues Jahr. Afrika mit seiner jahrhundertelang unterdrückten Kultur ist für Uwe Banton ein entscheidendes Gegengewicht zur westlichen Hegemonie. In seinem Song „Can’t Leave Out JAH Roots“ zitiert er den radikalen Panafrikanisten Marcus Garvey, der gesagt hat: „Ein Volk ohne Wissen über seine Geschichte, seinen Ursprung und seine Kultur ist wie ein Baum ohne Wurzeln.“

Rightful Place

Über 450 Jahre war Jamaika in der Hand europäischer Kolonialherren. Erst hatten die Spanier das Sagen, später die Engländer. In Jamaika sei Reggae inzwischen auch ein Aushängeschild, sagt Uwe Banton, und der Tourismus bediene sich gerne Bob Marleys „One Love“-Klischees in Form einer „Einheitssoße“. Der kämpferische Aspekt von „Get Up, Stand Up“ werde dagegen eher nicht so gerne hochgehalten. Für ihn selbst gehöre beides zusammen, das Friedliche und das Kämpferische, resümiert er und stimmt mitten im Bielefelder Bürgerpark einen plötzlich passenden Song an: “Rightful Place.”

Biographisches

Uwe „Banton“ Schäfer wird 1965 in Lage/Lippe geboren. Mit 15 erste Reise nach Jamaika – dank Bob Marley schon damals als Reggae-Fan. 1984 erster eigener Auftritt als Reggaesänger im Steinhagener Club „Neons“. Bald danach gibt man Uwe Schäfer den Beinamen Banton. 1992 tritt er Junior Mandingos Band „One Vibe“ bei, ein Jahr später gründet er auf dessen Initiative hin zusammen mit anderen die Gruppe „Movements“. Das erste Album „One Earth“ kommt 1996 heraus, zwei Jahre später folgt die EP „Rastaman“. 2003 nehmen sie „His Majesty’s Works“ auf und spielen im selben Jahr als Support der „Söhne Mannheims“ bei deren „Zion“-Tour. Auf dem Riddim „Too Long“ von Ganjaman nimmt Uwe Banton 2004 die Single „Jah Roots“ auf, mit der seine erfolgreiche Soloproduktion beginnt. 2007 wird aus „Jah Roots“ ein Album, dem 2009 „Rightful Place“ folgt. Regelmäßig tritt Uwe Banton bei großen Reggae-Fesivals auf, wie dem Mühlheimer „Ruhr Reggae Summer“, dem Kölner „Summerjam“ oder dem „Reggae Jam“ in Bersenbrück.

Antje Doßmann

Autor*in: Antje Doßmann

Die Antje...kann über gelungene Kunst-Taten ins Schwärmen geraten, und dann rette sich von ihr aus wer will. Den anderen wünscht sie beim Lesen ein heißes Herz und einen kühlen Kopf.

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