17. Frauenfilmtage Bielefeld: Selbstbestimmung als konkrete Utopie

Die Veranstalterinnen der bereits 17. Frauenfilmtage Bielefeld: (von links): Anamaria Diaz, Ulla Reißland, Dr. Norma Driever, Katja Eßer, Sylvie Hansen, Lisa Rüdiger, Dagmar Lawrenz, Elena Kauf (Foto: Antje Doßmann)

Wie leben Frauen in der Welt? Welche Gestalt hat ihr Alltag? Was hindert sie an der Unabhängigkeit? Auf welche Weise erfahren sie Ausgrenzung, Abwertung, Unterdrückung, die Gewalt des Krieges, kämpfen im Extremfall um ihr Leben?

Auf der solidarischen Anteilnahme an Fragen dieser Art und dem erklärten Willen, herrschende Zustände, wo sie Frauenrechte einschränken, nicht schweigend hinzunehmen, fußt die Arbeit der TERRE DES FEMMES (TDF) Städtegruppe Bielefeld. Die schon seit langem existierende Gruppe trifft sich regelmäßig  in der Bürgerwache am Siegfriedplatz, und einmal im Jahr, um den Internationalen Frauentag herum, lädt sie zu einem Festival, das mittels des Mediums Film die unterschiedlichen Lebenslagen von Frauen in Szene setzt, ihnen eine Stimme und ein Gesicht verleiht, damit am Individuellen sichtbar wird, was im Allgemeinen noch immer so oft untergeht: die meist nicht selbst  verschuldete Not vieler Frauen. Aber auch, und das ist wichtig, die ungeheure Stärke, die sie in der Lage sind zu entwickeln, um ihr Schicksal zu wenden.

Eine Reihe von Filmen, die Frauen wirklich gerecht wurden, indem sie  von ihrer Kraft und ihrem Mut zum Widerstand erzählten, anstatt ihre  Ohnmacht zu reproduzieren, zeigten die Frauenfilmtage Bielefeld auch in diesem Jahr, bei der bereits 17. Auflage des Festivals. Auf dem Programm der von TERRE DES FEMMES initierten, von Ehrenamtlichen mit unterschiedlichem Hintergrund unterstützten Kinoreihe standen Spiel- und Dokumentarfilme, die Lebensgeschichten aus Island, Peru, Paraguay und Serbien, China, Südtirol und Amerika erzählten. Darunter ein Porträt über “RBG”, Ruth Bader Ginsberg, die 1993 als zweite Frau an den Supreme Court der USA berufen wurde und bahnbrechende Gerichtsurteile für die Gleichstellung der Frau durchgesetzt hat, besonders was die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz betraf.

Sonntags-Matinee mit Rekordandrang und technischen Tücken

Ausgerechnet bei der Sonntags-Matinee am Internationalen Frauentag und ausgerechnet bei der Vorführung der Komödie “Womit haben wir das verdient?” erfuhren die Veranstalterinnen in diesem Jahr die wetterwendischen Kapriolen des Schicksals. Nachdem sie zunächst angesichts der Corona-Krisenlage mit deutlich weniger Andrang bei diesem traditionell eher unterhaltsamen Festival-Beitrag gerechnet hatten, strömten zu ihrer Freude im Gegenteil ungewöhnlich viele Frauen (und wenige Männer) in den großen Saal der Ravensberger Spinnerei. Doch dann ließ sich der Raum nicht richtig verdunkeln, und je höher die Sonne in den Märzhimmel kletterte, desto mehr verlor sich Eva Spreitzhöfers im Stil französischer Familienkomödien gedrehter Streifen mit Caroline Peters in der Hauptrolle in Unschärfe. Nach einer knappen halben Stunde entschieden sich die Verantwortlichen für den Abbruch, was mit allgemeiner Fassung getragen wurde. Dass Frauen weit Schlimmeres widerfahren kann, haben nicht zuletzt die Filmtage selbst oft genug gezeigt.    

Antje Doßmann

Autor*in:

Die Antje...kann über gelungene Kunst-Taten ins Schwärmen geraten, und dann rette sich von ihr aus wer will. Den anderen wünscht sie beim Lesen ein heißes Herz und einen kühlen Kopf.

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