Fo(u)r Personal No-Goes: Stilmus

Wer Bericht erstattet, zumal über Kunst und Kultur, hat idealerweise einen unverkennbaren Stil, seine eigene „Schreibe“. Dazu gehört, dass manche Formulierungen einfach nicht in die Tüte kommen. Um unsere Redaktion vorzustellen und die Menschen, die für uns schreiben, folgen an dieser Stelle in unregelmäßigem Abstand vier höchstpersönliche Stil-Aversionen. Als Einstieg in die kleine Serie hier die Top 4 meiner Lieblingstabus:

  1. „es krachen lassen“ – eine Wendung, die oft und nahezu ausschließlich bei Konzerten benutzt wird, die von Natur aus laut sind und auch selten eine andere Absicht erklären: Rock, Punk, Volksmusik. Darüber also zu schreiben, xy ließ es krachen, gerne mit dem Zusatz „ordentlich“, ist so , als würde man in einer Theaterkritik vermerken, die Schauspielenden schlüpften in eine Rolle. Überflüssig! Ausnahme: Sollte ich einmal zufällig Zeugin werden, wie eine Handvoll beherzter Landfrauen für einen guten Zweck Hasenbraten mit Rosenkohl zu den Klängen von“I Was Made For Loving You, Baby“ performt, würde ich mir die Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
  2. „geil“ – was dieses Wort betrifft, bin ich 19. Jahrhundert. Ich hab keine Probleme damit, wenn andere es benutzen, ich selbst schreibe es aber nicht, spreche es auch nur äußerst selten aus. Und wenn, dann kriege ich es irgendwie nicht richtig über die Lippen. So wie meine Eltern früher, wenn sie „Sex“ sagen wollten und statt dessen „Sechs“ sagten. Nicht schön. Wer wissen möchte, ob ich etwas geil fand, sollte in meinen Texten nach Worten wie „aufregend“ oder „spannend“ suchen. Klingt anders, meint dasselbe.
  3. „schmunzeln“ – keine Ahnung, warum ich dieses Wort nicht mag. Vielleicht ist es was Frühkindliches und ich sollte meine Mutter dazu befragen. Vielleicht hat es auch mit Elmar Gunsch zu tun oder mit Elliot, dem Schmunzelmonster. Menschen, die schmunzeln, sind latent aggressiv. Die schmunzeln erst, dann braten sie dir eins über. Mein Verdacht. Irrational, ich weiß. Grinsen ist okay, lächeln erst recht, schmunzeln mag ich einfach nicht. Sucht man daher meist vergebens in meinen Texten.
  4. -„die Rezensentin ist der Meinung“ – wenn’s entwicklungstechnisch gut gelaufen ist, dann war man ungefähr zwei Jahre alt, als man anfing, sich selbst mit „ich“ zu benennen. Kein Grund oder allenfalls ein Grund zur Beunruhigung, im fortgeschrittenen Alter wieder damit anzufangen, sich sprachlich von sich selbst abzutrennen. Ein klarer Rückschritt, und bekanntlich hatten Herrscher, die den Pluralis Majestatis verwendeten, meist einen an der Klatsche. Also weg damit, findet die Rezensentin.

Antje Doßmann

Autor*in: Antje Doßmann

Die Antje...kann über gelungene Kunst-Taten ins Schwärmen geraten, und dann rette sich von ihr aus wer will. Den anderen wünscht sie beim Lesen ein heißes Herz und einen kühlen Kopf.

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