Ein Hilferuf voller Anmut und Eleganz

Mit drei Tänzen machen Bielefelder Tango-Tanzlehrer am bundesweiten Aktionstag zur Rettung des Tango Argentino auf ihre schwierige Lage aufmerksam.

Weil die Kultur des Tango Argentino in Deutschland wegen des Corona-Virus unterzugehen droht, wurde in bundesweit rund 40 Städten auf der Straße getanzt – auch vor dem Bielefelder Rathaus.

Tango ist Bewegung und ohne Berührung nicht denkbar“, sagt Olaf Herzog, Tanzpädagoge und Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Tangodanza. Herzog unterrichtet auch Tango Argentino an der Musik- und Kunstschule Bielefeld. Jetzt wandte er sich gemeinsam mit weiteren Bielefelder Tango-Tanzlehrerinnen und -Lehrern an die Öffentlichkeit, um sich für die Rettung des immateriellen Weltkulturerbes Tango Argentino stark zu machen.

Ein Tango um “Fünf vor Zwölf”

Pünktlich um „Fünf vor Zwölf“, so der Titel der Aktion, fanden ähnliche Aktionen bundesweit in rund 40 Städten statt. Gestartet worden war die Initiative von der Bielefelder Zeitschrift für Tango Argentino „Tangodanza“, dem Berliner Online-Magazin „Tango-argentino-online“ und dem Tango Community Netzwerk aufgrund der schwierigen Situation der Tangoschaffenden in Deutschland.

Christine Grunert und Olaf Herzog verlesen die Petition zur Unterstützung der Tango-Kulturschaffenden. Bürgermeister Pit Clausen hört zu.
Christine Grunert und Olaf Herzog verlesen die Petition zur Unterstützung der Tango-Kulturschaffenden. Bürgermeister Pit Clausen hört zu.

Drei Tanzpaare machten vor dem Bielefelder Rathaus unter den Augen von Bürgermeister Pit Clausen auf ihre Lage aufmerksam. „In Bielefeld gibt es seit rund 25 Jahren eine stetig gewachsene Tango-Argentino-Szene“, sagt Herzog, aktuell seien um die 300 Tangotänzerinnen und -tänzer in den verschiedenen Bielefelder Tanzschulen angemeldet. Um diesen Kern herum existiere eine große Szene, die sich bei speziellen Tanzveranstaltungen trifft – den Milongas.

Der Tango Argentino ist zwar seit 2009 von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe eingestuft, in Deutschland gelten Tango-Schulen aber nicht als Kulturorte, sondern werden wie gewerbliche Tanzschulen behandelt. Praktizierende haben daher in der Regel keinen Zugang zur Künstlersozialkasse. Daher wollen die Tango-Tanzenden nicht nur kurzfristige Unterstützung, um die coronabedingten Unterrichtsbeschränkungen zu überstehen, sondern machen sich für eine generell verbesserte „finanzielle Unterstützung jetzt und bessere soziale und kulturpolitische Rahmenbedingungen in Zukunft“ stark.

Es geht auch um die Tango-Kultur an sich

Neben den drängenden ökonomischen Problemen treibt die Tangoliebhaber die Sorge um, dass der Tango Argentino und die damit verbundene Kultur dem Corona-Virus gänzlich zum Opfer fallen könnten. „Ein typisches Merkmal des Tango Argentino ist die Nähe zwischen den Menschen im Tanz“, sagt Choreographin Christine Grunert, „daher wird er in Zeiten der notwendigen körperlichen Distanz auf unbestimmte Zeit wohl nur mit großen Einschränkungen möglich sein.“

Mit drei Tänzen machen Bielefelder Tango-Tanzlehrer am bundesweiten Aktionstag zur Rettung des Tango Argentino auf ihre schwierige Lage aufmerksam.
Mit drei Tänzen machen Bielefelder Tango-Tanzlehrer am bundesweiten Aktionstag zur Rettung des Tango Argentino auf ihre schwierige Lage aufmerksam.

Inzwischen ist in NRW der Tanzunterricht wieder möglich – allerdings mit Einschränkungen. Ein Partnertausch ist nicht möglich und wegen der Abstandsregeln können weniger Personen in den Schulen aktiv sein. Das heißt doppelter Aufwand für weniger Einnahmen. Obendrein sind viele Auftrittsmöglichkeiten für 2020 weggefallen, auch die Organisation eigener Events ist nicht möglich.

Der Aktionstag begleitet eine Online-Petition, die noch bis zum 21. Juni unterstützt werden kann. Der Link zur Petition findet sich auf www.tangodanza.de. Sie umfasst sieben Punkte, unter anderem die Forderung, die Tango Argentino-Akteure in die Kulturförderung und in die Hilfsprogramme für die Kulturbranche von Bund und Ländern einzubeziehen.

Ralf Bittner

Autor*in: Ralf Bittner

Ralf steht lieber hinter als vor der Kamera, erkundet seine Welt gern zu Fuß und hat ein Herz für Großartiges in kleinen Locations.

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