Alles Müll oder was?

Aus alt mach neu - so heißt auch das Motto des IBZ-Workshops "Nachhaltiges Basteln und Gestalten", der sich im Ostblock-Kulturhaus Bielefeld vorstellte. Foto: Antje Doßmann

Das Ostblock-Kulturhaus Bielefeld rief zum großen Stadtputz und regte am “Bielefeld For Future”-Tag durch verschiedene Aktionen zum kritischen Nachdenken über Konsum und kreativen Umgang mit Müll an. Gleichzeitig setzte sich die Ausstellung “Contempory Garbage – Müll in Kunstform” mit dem Thema Wegwerfgesellschaft auseinander.

Wer am letzten Samstag des Monats Februar aufmerksam durch Bielefeld gegangen ist, wird vielleicht auf Menschen gestoßen sein, die mit Müllgreifern oder einfach nur mit Handschuhen und Beutel unterwegs waren und aufsammelten, was an achtlos weggeworfenem Unrat in der Gegend herumlag. Die offensichtlich nicht zur Stadtreinigung gehörenden Sammelnden traten einzeln oder in Grüppchen auf, und schon ihr Anblick sorgte dafür, dass man selbst sofort die Aufmerksamkeit auf den Müll  in Gosse und Gebüsch lenkte und über den eigenen Umgang mit dem Verpackungswahnsinn nachzudenken begann. So konnte das Wahrgenommenwerden im öffentlichen Raum bereits als Teilaspekt des gesamten Projektes betrachtet werden, zu dem diese Stadtreinigung der besonderen Art gehörte.

Einen Bielefeld For Future-Tag  lang ging es im Ostblock- Kulturhaus Bielefeld, das die Aktion initiiert hatte, nämlich kreativ um das Thema Müll und Upcycling. Die von Aktiven des Künstlerkollektivs entwickelte Idee zählte zu den Gewinnern des Projektes “Deine Fan-Aktion für Bielefeld” und wurde als solche mit 5000 Euro von der Stadt unterstützt. Natürlich ging es bei dem ganzen Vorhaben um mehr als um das bloße Einsammeln des Mülls, der nach einer Stunde im Kulturhaus abgegeben, dort gewogen, sortiert,  dokumentiert und  anschließend zur künstlerischen Weiterverwertung freigegeben wurde.

Bielefeld for Future, Kulturhaus Ostblock
Über 700 Kilo Müll von ca 160 aktiven Sammler*innen kamen beim ersten “Bielefeld For Future”-Day zusammen. Lena_Whooo und zahlreiche Aktive vom Ostblock-Kulturhaus Bielefeld nahmen den “schockierenden Erfolg” zum Anlass für einen Austausch über Nachhaltigkeit, Kunst und die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Foto: Achim Borchers

Auffällig war, dass der gesamte Aktionstag geprägt war von einem zuversichtlich handelnden Geist, der Probleme benannte und einfallsreich nach gemeinschaftlichen Lösungen suchte. Von Resignation keine Spur. Überall sah man Groß und Klein am Basteln und Tüfteln. Am neuen 3-D-Drucker entstand aus Plastikrückständen Figürliches, was nicht nur die Kinder faszinierte. Neben dem Kulturhaus, das neue und selbstentwickelte Verfahren des Recyclings vorstellte, bekamen verschiedene Initiativen der Stadt, die sich schon seit längerem mit dem Thema Upcycling beschäftigen, an diesem Nachmittag Gelegenheit, eigene Projekte vorzustellen. Nachhaltiges Basteln und Gestalten bot zum Beispiel eine Initiative des IBZ Bielefeld an, und auch die “Schrottwichtel” aus der Neustädter Straße waren mit von der Partie.

Wer weitere Anregungen suchte, wie sich scheinbar Nutzloses in Kunst verwandeln lässt, konnte sich von der flankierenden Ausstellung “Contemporary Garbage – Müll in Kunstform” inspirieren lassen. 20 Künstler*innen – die Hälfte von ihnen im Kulturhaus beheimatet – zeigten von filigranen Papier- und Glasarbeiten über Fotografien und Installationen das ästhetische Potential, das in der Materie an sich steckt. Ein wahrer Wertstoff, zum Wegwerfen viel zu kostbar! Auch ohne den Besuch Pit Clausens, der sich ursprünglich zur Eröffnung der Ausstellung angekündigt hatte, dann aber doch ausblieb,  war dieser Tag ein Fest des Fortschritts und des Miteinanders, wie er einer – obendrein von nutzlos herumfliegendem Müll befreiten – Stadt in jeder Hinsicht guttat.  

Antje Doßmann

Autor*in:

Die Antje...kann über gelungene Kunst-Taten ins Schwärmen geraten, und dann rette sich von ihr aus wer will. Den anderen wünscht sie beim Lesen ein heißes Herz und einen kühlen Kopf.

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