Wer Kultur sät, wird Frieden ernten

Foto: Antje Doßmann

Das Jahr neigt sich, und fast möchte man sagen: zum Glück. Wir haben in der RESONANZEN-Redaktion hautnah mitbekommen, wie schwierig 2020 sich insbesondere für Künstler*innen gestaltete und empfinden große Hochachtung für die Anstrengung und den ungebrochenen Willen, trotz widrigster Umstände weiterhin Kunst und Kultur zu schaffen. Und wir sind, das sei an dieser Stelle auch gesagt, allen enorm dankbar, die bereit waren, unser im März gegründetes Online-Kulturportal für OWL großzügig zu unterstützen und bis heute treu geblieben sind. Danke! Ich finde das großartig und weiß, dass ich auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen spreche.

Für mich gab es in der Fülle der schönen Kulturmomente, die es in diesem Jahr ja trotz alledem immer wieder gab, einen, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Joachim Zelters  “Corona zu zweit” am Theater Gütersloh.

Nicht nur, weil diese bereits im April ins Netz gestellte digitale Uraufführung verblüffend schnell auf den Lockdown reagierte und es die erste von vielen Veranstaltungen sein sollte, die ich im Laufe des Jahres am eigenen Bildschirm verfolgen würde. Sondern auch, weil dieses kleine, feine  “Nicht live, aber homemade”-produzierte Kammerspiel im Kern alles enthielt, was ich an Kunst und Kultur schätze und liebe.

Mit wenigen Mitteln und auf schmalsten Raum verschränkte “Corona zu zweit” Schauspiel, Lyrik, Musik und Videokunst zu einer poetischen Halbstunde, die mich seltsam berührte. Vielleicht weil es Zelters Ad hoc-Stück war, das mir zum ersten Mal in dieser Zeit Celans “Corona”- Gedicht ins Gedächtnis zurückrief. Oder weil die reduzierten, wie geträumten eingeblendeten Schwarz-Weiß-Bildsequenzen ästhetisch etwas vorwegnahmen und gleichzeitig milderten von dem Gefühl der Lähmung, das bald darauf mehr und mehr um sich greifen sollte.

Vielleicht aber auch, weil die Botschaft der Produktion, die so schlicht wie wahr lautete: Liebe ist alles, am Ende noch einmal so bewegend in Szene gesetzt wurde. Denn da sah man, wie alle am Dreh Beteiligten und auch Weggefährten der Gütersloher Spielstätte wie Thommie Bayer oder Tilman Rammstedt nach und nach eingeblendet wurden und zusammen die Ballade “While The World Burns” des Isländers Svavar Knútur sangen.

Ein Moment, den ich magisch fand, unkitschig und stark. Weil er zeigte, dass Liebe eben auch und vor allem das ist: Verbundenheit. Wir werden sie brauchen. Ein Weihnachtsfest unter diesem Vorzeichen und in dieser Stimmung wünschen wir Ihnen, Euch, uns allen. Und einen unverzagten Start ins neue Jahr.

Keep on shining.

Antje Doßmann

Antje Doßmann

Autor*in:

Die Antje...kann über gelungene Kunst-Taten ins Schwärmen geraten, und dann rette sich von ihr aus wer will. Den anderen wünscht sie beim Lesen ein heißes Herz und einen kühlen Kopf.