Saiten. Kontinente. Freundschaft.

Eva Alkulas Zugriff auf die Saiten einer Zitherähnlich aufgebauten Konzertkantele Fotos: Rainer Schmidt

Chordophone sind Musikinstrumente, bei denen ein Klangkörper in Resonanz gerät, indem gespannte Saiten in Schwingung versetzt werden. Überall auf der Welt werden sie mit oder ohne Hilfsmittel gezupft oder gestrichen. Die Instrumente mit ihren unterschiedlichen Klangcharakteren können hierbei für die Musikkultur eines Landes ikonisch sein. In Finnland ist dies die Kantele, eine aus einem Holzkorpus und wenigen Spielsaiten bestehende Leier. Ostasien hat mit der japanischen Koto und ihrer chinesischen Ahnin, der Guzheng, Wölbbrettzithern mit dreizehn oder mehr Saiten im Angebot.

Tomoya Nakai ist ein Koto-Interpret in der traditionellen japanischer Musik, der seine gelenkigen Finger gelegentlich auch tief im Jazz hat. Eva Alkula spielt die in finnischer und karelischer Folkmusik verwurzelte Kantele. Allerdings steht sie hinter einem auch für Klassikinterpretation aufgerüsteten Instrument mit mehreren Oktaven, Dämpfer, elektrischer Verstärkung und sogar Kipphebeln, die bei Bedarf für die Verstimmung einzelner Saiten der diatonischen Anordnung um einen Halbton sorgen.

Klangfarben Hand in Hand

Seit 2006 musizieren Nakai und Alkula, die ein Studienjahr in Japan verbrachte, zusammen. Sie verweben Motive aus der Volksmusik ihrer beiden Länder mit traditionellen und zeitgenössischen Kompositionen zu einer kraftvoll-gefälligen Mixtur. Man darf wohl von “Weltmusik” sprechen, die von den unterschiedlichen Klangfarben der Instrumente profitiert, deren Gemeinsamkeit die Vielzahl an Saiten ist, sowie, dass sie vor den Spielenden aufgebockt sind. Die Kantele klingt silbrig hell, Nakais Koto erzeugt mit ihren Nylonsaiten einen perkussiven, aber obertonarmen Ton, den der Spieler durch Druck hinter dem Steg modulieren, vibrieren, auf und ab gleiten lassen kann.

Das Konzert im Bunker Ulmenwall, welches begleitet wurde von einer Diaschau mit Landschafts- und Städteansichten aus beiden Ländern, wurde initiiert von der Deutsch Finnischen Gesellschaft & der Deutsch Japanischen Gesellschaft. Erstere ist mit ca. 8000 Mitgliedern nach der deutsch-französischen die größte Länderfreundschaftsinstitution in Deutschland. Interessant ist der Prozess der Künstlerentsendung für jeweils mindestens einwöchige Gastspielreisen im Gebiet der 15 Landesvereine. Dafür lädt die Gesellschaft jedes Jahr in Helsinki Kandidaten zu einem Kulturfest. Dass das zuständige Gremium nicht allzu puristisch agiert, zeigte dieser gehaltvolle Abend.

Rainer Schmidt

Autor*in: Rainer Schmidt

"Wenn man sich schon Illusionen macht, dann aber auch richtig. Es muss stimmen, wenns auch nur von kurzer Dauer ist." – Django

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