In der Digi-Bar brennt noch Licht

Träumten von einem Bielefeld on the rocks im Kulturhaus Ostblock und mussten ihre Kulturbar leider ins Netz verlagern: Kulturdezernent Dr. Udo Witthaus, Kulturamtsleiterin Brigitte Brand und die Beauftragte für die Kulturentwicklungsplanung Johanna Trockels (Foto: Antje Doßmann)

Die Laufzeit des ersten Bielefelder Kulturentwicklungskonzepts endet mit dem Jahr 2022. Um planvoll in die Zukunft gehen zu können und den Auftrag des Rates, dieses Konzept bis 2030 weiter auszubauen, effektiv zu nutzen, setzen die Verantwortlichen auf Beteiligung. Mitmachen!, so lautet ihre deutliche Aufforderung. In Teilprojekten soll unter Beibehaltung bisheriger Prinzipien die Kultur vernetzt, gefördert, verankert und zu attraktiven Angeboten für die Stadtgesellschaft entwickelt werden.

Die Idee, die Brigitte Brand, Udo Witthaus und Johanna Trockels zur Umsetzung der kulturpolitischen Vorgaben ursprünglich hatten, besaß ohne Zweifel Charme. Schwebte ihnen doch vor, im Kulturhaus Ostblock eine interagierende Kulturbar à la Ina Müller zu eröffnen. Ein Ort, an dem die Bielefelder Kreativen und alle mit Fragen der Kultur im engeren und weiteren Sinne Befassten in einen ideensammelnden und interessebündelnden Austausch treten könnten. Spielerisch, locker und mit dem Ziel, dieses Material aktiv in die Gestaltung verschiedener Teilprojekte miteinfließen zu lassen.

Nun machte die Pandemie diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung, und natürlich gilt auch für die Planungen der Kulturpolitik, in nächster Zeit auf Sicht zu fahren. Dennoch ist man im Kulturamt weit von Pessimismus entfernt. Udo Witthaus z.B. hält sich an die chinesische Weisheit: “Die Gegenwart schreit, die Zukunft flüstert” und plädiert dafür, im Angesicht der Krise gelassen zu bleiben, die Leidenschaft und das Interesse an der Kultur nicht zu verlieren und mit Weitblick in die Zukunft zu schauen. Daher hielt das Team an der Idee der Kulturbar auch fest und verlagerte sie in den digitalen Raum. Seit gestern ist die Kulturbar online und bleibt bis zum 31.1.2021 geöffnet. Das virtuelle Beteiligungsformat hält zwar keine Getränke bereit, bietet dafür aber eine coronasichere Plattform für Gedankenaustausch und Diskussionen zur Stadtkultur.

Sechs verschiedene Themen stehen dabei zur Verfügung: Kulturräume, Wege der Digitalisierung, Kultur der Vielfalt, Gesellschaftliche Verantwortung, Netzwerke der Kreativen und Struktureller Wandel . Klingt ein bisschen trocken und wird sicherlich von der Bereitschaft der Kulturschaffenden abhängen, diese Felder mit Leben und kreativen Einfällen zu einer bunten Stadtkultur zu füllen. Das Tool, in das sie ihre Ideen einbringen können, ist denkbar einfach zu bedienen. Eine Hürde könnte allerdings sein, dass zur eigenen Person relativ ausführliche Angaben gemacht werden müssen. Alter und Adresse der Kulturbarbesucher*innen zu erfahren, sei aber notwendig, erläutert Brigitte Brand, um sicherzustellen, dass keine Auswärtigen über die Kultur der Stadt mitentscheiden und die Teilprojekte paritätisch besetzt werden können.

Denn an diesen ersten Schritt des digitalen Brainstormings zu den genannten sechs Zukunftsthemen soll sich nach der Schließung der Kulturbar eine Phase anschließen, in der interdisziplinär und divers besetzte Initiativgruppen Handlungsempfehlungen für die Bielefelder Kulturentwicklung ausarbeiten. Aus der im Ideentool entstandenen Materialsammlung entstünde dann im Idealfall also am Ende ein konkretes Projekt wie z.B. eine neue Konzertreihe oder ein sommerliches  Literaturfestival, wie es in der hiesigen Szene schon lange diskutiert wird. Geplant ist zudem, diese Teilprojekte von einer Doppelspitze aus städtischer und freier Kulturszene betreuen zu lassen.

Das alles klingt vielversprechend und fair, wenngleich auch für nicht kulturpolitisch Versierte relativ umständlich. Aber es gibt in der Stadt viele, die ein starkes Interesse an der Kultur haben. Mögen sie sich beherzt an die Kulturbar hängen und über die Zutaten neuer Cocktails mitentscheiden. Die bunten Strohhalme, mit denen wir diese eines Tages hoffentlich schlürfen dürfen, gibt es schon. Zumindest auf dem Werbeplakat.

Der Zugang zur Digitalen Kulturbar und weitere Informationen finden sich unter: www.bielefeld.de/kulturentwicklung.

Wer Interesse hat, längerfristig in einem der Teilprojekte mitzuarbeiten, kann sich bis zum 31.01.2012 beim Kultramt melden.

Kontakt:

Johanna Trockels (JohannaMarie.Trockels@bielefeld.de)

Antje Doßmann

Autor*in:

Die Antje...kann über gelungene Kunst-Taten ins Schwärmen geraten, und dann rette sich von ihr aus wer will. Den anderen wünscht sie beim Lesen ein heißes Herz und einen kühlen Kopf.

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